"Eine coole Tochter, an der man seine Freude hat"
Jubiläum Zehn Jahre Kathrein in Nördlingen. Unternehmer kündigt Lohnerhöhung an.
Ehrung von 140 Mitarbeitern der ersten Stunde. Als Festredner kam Otto Wiesheu.
Nördllngen Wer ein FestzeIt ausschließlich mit Mitarbeitern aus einer seiner 21 Niederlassungen füllen kann, der gehört sicher zu den Großen: 864 Menschen arbeiten heute bei Kathrein Mobilcom Nördlingen (KMN) und produzieren erfolgreich Mobilfunk-Antennen für den Weltmarkt. Kein Wunder, dass beim zehnjährigen Jubiläum an der Nürnbergerstraße Wellenlänge und Empfang stimmten.
Kommerzialrat Prof. Dr. Dr. h.c. Anton Kathrein, von seinen Weggefährten kurz „Toni“ genannt, dankte allen 140 Mitarbeitern, die bereits seit zehn Jahren an Bord sind, per Handschlag und mit Silbermünze: „Sie haben auch in schwierigen Zeiten ausgezeichnete Arbeit geleistet und unser Erich Schmidt kann zurecht mit Stolz zurückblicken", lobte er Mitarbeiter und Geschäftsführer. Doch der Rosenheimer Unternehmer, Chef von 6300 Mitarbeitern weltweit, verteilte nicht nur warme Worte, auch eine Einkommenserhöhung von 2,5 Prozent samt Prämie kündigte er der Nördlinger Belegschaft an. lm 92. Jahr des Bestehens der Kathrein-Werke KG sei der junge Nördlinger Standort innerhalb der Gruppe natürlich noch „ein Grünschnabel, ein obercooler Teenager immer für eine Überraschung gut", so Kathrein launig. „Aber wer jung ist, der hat Talent, in den setzt man Hoffnungen. Nördlingen ist eine Tochter, an der man viel Freude hat. Sie ist ein starkes Standbein unserer Gruppe“.
Mitte 2012 erwartet er die zweimillionste Antenne aus dem Ries, seit dem Jahr 2000 wurden Antennen für 759 Millionen Euro an die Kathrein-Gruppe geliefert. Auch für die Zukunft sehe es gut aus für den Standort: Aufträge für 21,5 Millionen Euro seien unter Dach und Fach, aufgrund der hohen Nachfrage drohten sogar Lieferengpässe. Die Breitbandtechnik werde sich ähnlich wie UTMS weltweit entwickeln, 26000 Antennen gehen an Vodafone, mit Ericsson arbeite man an einer Technik, die 52 Prozent weniger Energie verbrauche. ,,2012 wird eine Herausforderung für Nördlingen, weil eingeführte Produkte dann einer neuen Generation weichen, die Zyklen werden immer kürzer", so Kathrein. „Aber Qualität setzt sich langfristig durch.
Auch die Chinesen haben es kapiert: Die kaufen jetzt bei uns!"
Doch nicht nur den Chinesen blies „Toni“ den Marsch: Auch die 900 Festgäste erlebten einen Professor, der auf die Etikette wortwörtlich pfiff und mit seinen Musikanten sein Lieblings-Gstanzl vom „Reh-Ragout“ sang. „Dass Herr Kathrein so gerne singt, wusste ich gar nicht“, schmunzelte denn auch eine Mitarbeiterin.
Viele Ehrengäste
Unter den Ehrengästen, darunter Landrat Rößle, Ulrich Lange, Georg Schmid, Paul Kling, Helmuth Wiedenmann, Paul W. Ritter, Wolfgang Winter und Prof. Glück war auch Dr. Otto Wiesheu (CSU). Er war als damaliger bayerischer Wirtschaftsminister "Geburtshelfer" bei Kathrein Nördlingen: „Du warst damals sehr wichtig!", betonte Anton Kathrein, "genauso wie Altoberbürgermeister Paul Kling und das wirtschaftsfreundliche Klima hier". Rückblickend erinnerte sich Wiesheu an die Sanyo-Pleite mit 400 Mitarbeitern und wie man Kathrein den Standort Nördlingen schmackhaft machen wollte. Nachdem alle Beteiligten an einem Strang zogen, hätte Kathrein "schließlich angebissen und konnte nur noch Ja sagen", so Wiesheu mit einem Augenzwinkern. "Dass die Firma eine solche Entwicklung nehmen würde, war damals nicht zu erwarten. Die Politik kann nur fördern und helfen, aber was es braucht, das ist einer, der investiert. Unternehmer, die in Deutschland bleiben und ihrem Land gerecht werden. Zu ihnen gehört auch die Familie Kathrein und dafür gilt ihr Respekt und Dank“, so Wiesheu.
Auch Oberbürgermeister Hermann Faul betonte, dass mit Kathrein erstmals ein Hoffnungsschimmer am Horizont auftauchte. Heute sei Kathrein "der Leuchtturm des Rieses und des Wirtschaftsstandorts Nördlingen", der auch die Krise 2009 gut überstanden habe. Immer wieder sei Kathrein persönlich vor Ort, unterstütze das TCW, die Fachkräfteausbildung in der Region und als Schirmherr der Bastei-Spiele auch die Kultur als weichen Standortfaktor.
Kein anonymer Großbetrieb
"Kathrein ist eben keine Filiale eines anonymen Großbetriebs, sondern ein Familienunternehmen im besten Sinne. Es ist ein Meilenstein für unsere Region, den Weltmarktführer für mobile Antennen hier vor Ort zu haben", so Faul, der daran erinnerte, dass Kathrein in Nördlingen 2,3 Millionen Euro in Photovoltaik investiert und bisher 9,3 Millionen Euro Gewerbesteuer gezahlt habe. Oder wie Wiesheu den gemütlichen Teil einläutete: "Esst und trinkt, habt kein Erbarmen – denn es trifft heut' keinen Armen!"
Von der Kellerwerkstatt zum Global Player
- Die Kathrein-Werke KG ist nach eigenen Angaben der weltweit älteste und größte Antennenhersteller und ein führendes High-Tech-Unternehmen der Kommunikationsbranche. Gegründet wurde sie vor 92 Jahren als ..Ein-Mann- Kellerwerkstatt".
- Die Gruppe beschäftigt weltweit über 6300 Mitarbeiter in 21 Produktionsstätten und 61 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften.
- Der Umsatz lag 2010 bei über 1,1 Milliarden Euro, wovon über zwei Drittel im Ausland erzielt wurden. www.kathrein.de
- Im Jahr 2000 übernahm KMN die Gebäude und 192 Mitarbeiter - rund die Hälfte aller Beschäftigten des japanischen Videorekorderhersteller SANYO. Prof. Anton Kathrein und Dr. Otto Wiesheu, damals bayerischer Wirtschaftsminister, sowie Altoberbürgermeister Paul Kling und Reinhold Demel vom damaligen Arbeitsamt sowie der Ansiedlungsbeauftragte Bertram Brossard einigten sich „in allerkürzester Zeit" mit SANYO über die Modalitäten der Werksübernahme.
- Die Kathrein Mobilcom Nördlingen GmbH (KMN) wurde am 2. November 2000 gegründet. 864 Mitarbeiter erwirtschaften in 2011 voraussichtlich 103 Millionen Euro mit Multibandantennen (Dual, Triple, Quad) für den Mobilfunk. Die Jahresleistung liegt laut KMN bei 600.000 Antennensystemen, eingebaut in 280.000 Antennen. Die Exportquote beträgt über 60 Prozent. Rund 30 Auszubildende lernen an der Nürnbergerstraße.
- Geschäftsführer sind Anton Kathrein und Erich Schmidt.
(Von Stefanie Saam)
Quelle: Rieser Nachrichten
Unsere 140 Mitarbeitern der ersten Stunde: